Wiedermal der Wolf

Guten Tag aus der Lausitz, in den Medien wird gerade wieder viel Wirbel um das Thema Wolf gemacht. In Niedersachsen, kurz vor den Landtagswahlen, sogar die Entnahme eines ganzen Rudels diskutiert. Nun werde ich mich hüten, hier zu behaupten, dass es da einen Zusammenhang gibt, aber wer weiß… 

Auch hier in meiner unmittelbaren Nähe wird wieder heiß diskutiert. Der regionale Wochenkurier Hoyerswerda/Kamenz hat vor zwei Tagen ein Video veröffentlicht, welches im Netz nun seine Verbreitung findet. Allein der Text zum Videobeitrag ist schon mal voll daneben. „Sie kommen näher und näher… Es scheint, als hätten die Lausitzer Wölfe ihre Scheu vor dem Menschen komplett verloren.“ 

Bravo, so macht man Schlagzeilen! Die/der für diesen Text verantwortliche Redakteur/in scheint sich fachlich vorher keinen Rat eingeholt zu haben. Warum auch, Hauptsache der Beitrag ist spektakulär und macht viel Wirbel.  Man spielt mit den Ängsten und Sorgen der Leute, denn nur so ist ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Es besteht scheinbar keinerlei Interesse die Menschen aufzuklären, solange sich eine Nachricht gut verkauft. Und sie verkauft sich gut, inzwischen wurde der Beitrag 2587 mal geteilt und ich bin sicher, das ist nicht das Ende. Alle stürzen sich weiterhin gierig auf das Thema und in den sozialen Medien schlagen sich Wolfsgegner und Wolfsbefürworter die Köpfe ein. Ich habe den Eindruck, dass viele Medien sich ihrer Verantwortung überhaupt nicht bewusst sind. Dabei wäre es so wichtig aufzuklären und Ängste abzubauen, statt immer neue Ängste zu schüren. Dabei geht der Vorwurf hier nicht allein an die Medien. Sie bedienen schließlich nur ihre Konsumenten und die wiederum sind süchtig nach Schlagzeilen dieser Art. 

Es wird nicht einfach sein, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Aber es ist höchste Zeit. 

Wir sollten endlich wieder lernen, vernünftig miteinander umzugehen. Wir müssen aber auch gegen unsere Ängste ankämpfen, gegen Feindbilder die uns vorgegeben werden. 

Wir müssen aufhören uns losgelöst von der Natur zu sehen und endlich begreifen, dass wir ein Teil von ihr sind. Begreifen, dass wir sonst nur einen Kampf gegen uns selbst führen, den wir nicht gewinnen können. Wir müssen unsere Sinne wieder auf Empfang stellen und manche Dinge wieder lernen. Unsere Kinder können es sehr gut, wir sollten uns das von ihnen zeigen lassen, statt es zu unterdrücken. 

Die Natur ist etwas Wunderbares. Das erfahre ich jeden Tag und bin dankbar dafür. 

Darum sehe ich auch meine Bestimmung darin, anderen von meinen Erfahrungen und Erlebnissen zu berichten, mit Menschen draußen unterwegs zu sein und sie so wieder ein Stück näher an die Natur heranzuführen. Dazu gehört unter anderem auch das Thema Wolf, zu dem ich hier in der Lausitz auch Führungen anbiete. Bei Interesse könnt ihr gern Kontakt zu mir aufnehmen. 

 

Kleiner Nachtrag für Trolle und ewige „Haarindersuppesucher“: 

Ja, das war jetzt auch Werbung, für meine Angebote. Warum nicht?

„Sie verdienen ihr Geld auch nur durch den Wolf“ wurde mir mehrfach vorgeworfen. 

 

Nö, ich verdiene mein Geld mit dem, mir seit meiner Kindheit, angeeigneten Wissen zum Thema einheimische Natur. Der Wolf gehört natürlich dazu, wie Gänseblümchen, Mistkäfer, Ringelnatter, Linde, Rotfeder, Fliegenpilz, Seerose, Regenwurm, Zaunkönig …

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Kommentare: 12
  • #1

    Arnd Schermer (Freitag, 29 September 2017 15:21)

    Danke, Karsten, Du sprichst mir aus der Seele.

  • #2

    Babs Baron (Freitag, 29 September 2017 15:43)

    DANKESCHÖN !

  • #3

    Volker und Angela Hohlfeld (Freitag, 29 September 2017 18:34)

    Du hast es auf den Punkt gebracht. Da gibt es nichts hinzu zu fügen. Herzlichen Dank und alles Gute.

  • #4

    Jana (Freitag, 29 September 2017 21:30)

    Karsten Du bringst es auf den Punkt. Danke!

  • #5

    Davis (Samstag, 30 September 2017 07:09)

    DANKE

  • #6

    Chris (Samstag, 30 September 2017 13:29)

    Sehr sachlich und richtig, Danke!!!

  • #7

    Martin Just (Sonntag, 01 Oktober 2017 19:57)

    OMG Herr Nitsch ,Traumtänzer'

  • #8

    Karsten Nitsch (Sonntag, 01 Oktober 2017 23:45)

    Ja auch Trolle und Hater geben hier ihre Kommentare ab. Herr Martin Just ist ein ganz spezielles Beispiel. Er hatte einmal die Gelegenheit mit mir persönlich zu diskutieren, hat es aber vorgezogen nach wenigen Minuten die Lokalität zu verlassen. Nun versucht er ständig mit unsachlichen Kommentaren oder Provokationen mich aus der Reserve zu locken. Leider habe ich noch nicht erkennen können, was er damit bezweckt. Wie auch immer, ich werde den "Traumtänzer" nicht entfernen und bin gern auch zu einer Diskussion in der Öffentlichkeit bereit. Aber vermutlich wird mein Lieblings-Hater nicht die Eier dazu haben, da es ihm an sachlichen Argumenten fehlen wird.

  • #9

    Thomas R (Mittwoch, 11 Oktober 2017 22:40)

    Natürlich hat die Diskussion in Niedersachsen mit der Wahl zu tun. Es gibt dort viel landwirtschaftliche Betriebe und auch Heideschäfer, die sich durch die Wölfe bedroht fühlen. Das kann ich in gewisser Weise nachvollziehen. Nicht nachvollziehen kann ich das reisserische "Ausschlachten" des Themas in der Presse, da hast Du sicher vollkommen recht mit Deiner Kritik.

  • #10

    Nanni Ulbrich (Mittwoch, 08 Januar 2020 09:19)

    Vielen Dank für den Beitrag. Ja, wir stellen uns in Deutschlan wirklich sehr .... (mir fällt gerade kein passender Begriff ein ;-) an, was den Wolf betrifft. In anderen Ländern leben die Menschen einfach mit dem Wolf - so wie er ist. Hätte sich unsere Vorfahren so umständlich / merkwürdig / kompliziert / dumm / ingnorant / verteufelnd / ängstlich / usw. usw. angestellt - DANN gäbe es heute keine HUNDE!
    Vor kurzem war ich mit einer Gruppe Kinder im Naturkundemuseum in Erfurt. Dort wird gerade ein Wolfspräperat und das eines Hypriden ausgestellt. Bei dem Hypriden handelt es sich um einen vor kurzem geschossenen Wolfswelpen der thüringer Wölfen. Nun will man alle töten - wegen angeblicher Rassenreinhaltung (ich sag jetzt nicht, woran mich das erinnert).
    Die Kinder auf jeden Fall fanden es schrecklich, dass ein Tier geschossen wird, weil die Mama ein Wolf ist und der Papa ein Hund. Ein Mädchen aus der 3. Klasse brachte es ganz drastisch auf den Punkt: "Und was ist dann mit mir? Wenn meine Mama... und mein Papa... und wenn ich dann getötet werde?" Schlaue Kinder! Naja... Erwachsene!
    Fangt endlich wieder an Lebensraum zu teilen. Es gibt nur eine wirklich gefährliche Spezies auf diesen Planeten. Und die können bereits Kinder der 1. Klasse benennen: der Mensch! - wir selbst-
    Also lasst uns wieder Lebensraum teilen mit dem was da so wächst, krabbelt, fliegt und durch die Gegend streift... und sich vermehrt. Angesichts des großen Sterbens sollten wir uns glücklich schätzen, wenn sich etwas noch freiwillig bei uns ansiedelt und bei diesen Bedinnungen überlebt.

  • #11

    Uwe Pauly (Freitag, 12 Februar 2021 19:25)

    Hallo Karsten, ja Niedersachsen hat es seit gestern wieder in die „Wolfsschlagzeilen“ geschafft. Leider bin ich nicht ganz 100%ig im Thema der dortigen Verhältnisse, mich verwunderte nur etwas die Geheimniskrämerei. Nicht um die Schäfer und die Jäger, diese sind die Prügelknaben dieser Aktion. Es fehlten einfach offizielle Zahlen als Beleg. 500 Schafe in 2 Jahren, 50.000€ Schaden bei einem Schäfer und das Rudel überwindet entsprechende Schutzzäune und Herdenhunde? Da sind so einige Details nicht bekannt ! Gerade bei dieser Thematik sollte Transparenz sehr wichtig sein, sonst befeuert man ganz schnell die Hassflamme. Aber, was ich eigentlich damit sagen wollte: wie der Umgang mit unseren neuen Wildtieren funktioniert habt Ihr in der Lausitz mit Bravour seit 2000 gezeigt. Ich hätte mir gewünscht, dass Niedersachsen sich ein Beispiel genommen und sich auf die Ankunft der Wölfe entsprechend vorbereitet hätte. Man hat durch diese Genehmigung der Entnahme den Eindruck, dass dies nicht geschehen ist.
    Viele Grüße aus Schleswig-Holstein und hoffentlich ein baldiges Wiedersehen in der Lausitz (mit oder ohne Perlenfänger Outdoor Seminar).

  • #12

    Conni (Montag, 04 Oktober 2021)

    Vielen Dank für drei entspannte und interessante Tage im Naturcamp an der Spree. Morgens Frühstück auf dem Hochsitz direkt am Wasser - wunderbar die Ruhe und das leise Dahinfließen des Wassers. Dann ein unheimlich schöner Tag in der Lausitzer Teichlandschaft mit Karsten - sehr empfehlenswert. Aber alles meine Meinung und subjektiv empfunden. Wir waren zu dritt und haben aber alle gleich empfunden.